Willkommen bei Artemis Natur und Kunst PR, der Agentur für PR von Jagd, Naturschutz, Kunst und Kultur.
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Nicola Förg

Foto: Vivienne Klimke Foto: Vivienne Klimke

 

Das Leben - Milchschaum auf dem Cappuccino

 

 

Vor dem Kennenlernen kommen die Katzen. Auf dem Weg zum Haus streicht der schwarz-weiße Herr Mollinger von Rohrschach, genannt Molli, um Nicola Förg´s Beine, und sie erkennt sofort, was er möchte: „Futter! Aber er traut sich nicht, denn er steht auf der Rangordnung weit unten, und da vorne sitzt der kühne Flori von Fettpress und hat ihn genau im Blick.“ Lächelnd beobachtet die bekannte Autorin die schweigende Auseinandersetzung ihrer zwei Katzen. Es sind nur zwei von über zehn, die mit ihr leben, und jede trägt einen adeligen Namen, der auf ihren Fundort zurückgeht, denn sie alle sind Findelkinder: Ciabatta von Strohschupp, Herr Hölderlin vom Holzstapel...  So dauert es ein Weilchen, bis wir uns durch die sozialen Befindlichkeiten der Katzen hindurch zur gemütlichen Sitzgruppe auf der Förg´schen Terrasse vorgearbeitet haben.

 

Ihre Findelkatzen
tragen adelige Namen

 

Nicht nur der Blick auf Wiese und Wald ist hier ein Traum: Das Drei-Hektar-Anwesen liegt versteckt mitten in der Natur unweit von Lechbruck im Ostallgäu. Die Maisonne strahlt und wärmt, während die Autorin ins Haus verschwindet, um Kaffee zu bereiten. Seit vier Jahren lebt die bekannte Alpenkrimi-Schriftstellerin mit ihrem Lebensgefährten, zwölf Katzen, sieben Pferden, drei Kaninchen, Goldfischen und Bienen hier draußen. Auf ihrem „Ponyhof Prem“ können Kinder und Familien den Umgang mit dem Pferd lernen und Urlaub im Ferienhaus oder sogar in einem Schlaffass machen. Hinter den Kulissen jedoch ist dieser Platz eine ideale Inspirationsquelle für die Schriftstellerin Förg, wie sie beim Wiederkommen verrät: „Alle meine Krimithemen habe ich vor der Haustüre gefunden.“

 

Förg hat sich aus
der Sicherheit des
Krimierfolgs heraus getraut

 

Unkonventionell schaut die 52-jährige aus mit ihren roten Locken und dem Stall-Outfit, einer Flickenjeans und einer sportlichen, von Tierhaaren übersäten Softshell-Jacke. Wie bitte, die Themen hat sie vor der Haustüre gefunden? Hier, mitten im Nichts? Tatsächlich hat Förg in mittlerweile 15 Krimis schon über krankhaftes Tiersammeln, über die Jagd, auch über das Komasaufen der Landjugend geschrieben.  

Doch im neuen Buch ist einiges anders. Es ist ein Roman über eine Frau, ihre Katze, über das Phänomen der kleinen Halsbandkameras „Catcams“ und eine abenteuerlich schräge Reise durch Island. Mit „Glück ist nichts für Feiglinge“ hat Förg sich getraut, ihren scheinbar so sicheren Pfad der Voralpenkrimis zu verlassen. Sie hat sich erstmals nicht nur von außen, sondern auch von innen inspirieren lassen und sich einem Frauenthema zugewandt: Eine schüchterne, in ihrem Sozialberuf ausgebeutete und bis auf eine Katze nahezu vereinsamte „graue Maus“ namens Sonja spielt darin die Hauptrolle. Aus ihrer leicht pathologischen Angst heraus, auch noch das einzige Lebewesen zu verlieren, das ihr Nähe gibt, greift Sonja zu ungewöhnlichen Methoden, um ihre Katze zu kontrollieren. Sie gerät in der Folge in einen Strudel von Ereignissen, in denen sie auch zum Opfer wird, vor allem aber viel über das Leben lernt.

 

Ihre Eltern zu pflegen
hat die Kemptenerin geprägt

 

„Ich kenne selbst solche jungen Frauen in Sozialberufen und weiß, welche Gefahren in ihrer Unsicherheit lauern“, sagt die Autorin. Plakativ, wie es ihre Stärke ist, bringt sie es auf den Punkt: „Verhuscht, verplant und fremdbestimmt.“ So würden die jungen Frauen schnell zu Opfern – ob von ihren Chefs oder, wie Sonja im Roman, von Männern, die ganz genau wissen, was sie brauchen. „Über ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit werden sie ausgebeutet. Völlig ausgelaugt von ihrer Arbeit, nehmen sie irgendwann am Leben nicht mehr teil. Diese Erkenntnis hat mich sehr erschüttert.“ Es ist zu einem Teil auch eine eigene Erfahrung: Über Jahre hinweg hat Förg mit Hilfe von Pflegekräften ihre alternden Eltern versorgt, ist zwischen ihrem Ostallgäuer Wohnsitz und der Kemptener Heimat hin und her „geschossen“, wie sie sagt. „Da braucht man abends wirklich gar nichts mehr, nur noch Couch und Fernsehen.“ Trotz all der Mühen musste sie erleben, wie ihre einst so buch- und sprachaffine Mutter, eine Deutschlehrerin, der Demenz anheim fiel. Das hat sie geprägt.  

 

Auch in ihrem kleinen
Paradies ist der
Frieden sehr verletzlich

 

Auch die Angst um die eigene Katze ist Nicola Förg zutiefst vertraut. Die Journalistin, für ihre Tierliebe und ihr Tierschutzengagement bekannt, suchte lange nach einem Ort, wo sie in Frieden mit vielen Katzen leben konnte – ohne dass diese ständig durch Überfahren oder die Missgunst von Nachbarn oder Landnutzern bedroht wären. Obwohl sie ihn vor vier Jahren in ihrem jetzigen Anwesen gefunden hat, verschwand vor einiger Zeit eine ihrer Katzen spurlos. Sie tauchte erst nach acht Tagen dehydriert und abgemagert wieder auf. „Auch im Paradies ist der Frieden sehr fragil. Das war wie eine düstere Prophezeiung, diese grenzenlose Verzweiflung, all die Gedanken, die bohren und sich voranwühlen“, beschreibt sie beklommen. Sonja, die junge Frau im Buch, wird genau aus dieser Verzweiflung heraus aktiv und wirft sich fast unvorbereitet zurück ins Leben.

Doch die Themen aus der inneren Welt waren für Förg nicht die einzigen Gründe, dem Krimi für eine Weile abzuschwören. „Ich brauchte auch mal wieder das handwerklich andere Schreiben“, beschreibt die studierte Germanistin. „Dieses Fabulieren, das Erfinden von Figuren während des Schreibens, einfach mehr Freiraum.“ So sind ihr starke Charaktere geglückt, wie die spirituelle, scheinbar allwissende Katla, die im Buch die chronisch verschüchterte Sonja quasi huckepack nimmt und ihr letztlich die Tür zum Leben weist. Die Insel Island bietet dafür nicht nur einen farbenfrohen und mythenumrankten Hintergrund sondern ist auch eine Reminiszenz an Förg´s Zeiten als Reisejournalistin. Als solche war sie rund zwei Jahrzehntelang zwischen Ungarn, West-Kanada und Australien unterwegs, verfasste Artikel für Zeitungen und Magazine sowie zahlreiche Reiseführer. 

 

Dankbar für ihre Reisen,

lebt sie heute den Traum

vom eigenen Hof

 

„Zum Glück“, sagt sie, „habe ich das damals erleben dürfen.“ Es ist eine Voraussetzung dafür, dass sie heute in aller Ruhe ihren Lebenstraum verwirklichen kann: Ein großes Anwesen mit Pferden und Katzen im Ostallgäu – der Landschaft, die sie als „die ideale Mischung aus Kultur und Wildnis“ empfindet. Reisen sind jetzt nur noch möglich, wenn Partner Lutz ihr den Rücken frei hält, gemeinsam kommt das Paar überhaupt nicht weg.  

Tiere bedeuten Arbeit, und Nicola Förg ringt um einen strukturierten Tagesablauf: „Morgens gegen kurz nach sieben aufstehen, mir einen Cappucino holen und dann versuchen, bis Mittag in Ruhe an einem Text zu arbeiten“, beschreibt sie den idealen Tag. Ihre Manuskripte entstehen im Arbeitszimmer im ersten Stock des einstigen Bauernhauses. Über den Bildschirm hinweg gleitet der Blick aus dem Fenster, über die Wiese zum Waldrand. Ein Schwedenofen bullert vor teils bunt gestrichenen Wänden. An den Wänden hängen Plakate, zum Beispiel von einem Pavlov´s Dog Konzert. „Die Kultband meiner Jugend, kennt heute kaum einer mehr.“ Katzen finden sich ein und streichen nur zu gerne über die Computertastatur. „Leider schreiben die ziemlich kryptische Sachen“, lacht Förg

 

Nachts schreiben?
"Schlafentzug macht mich zum Zombie!"

 

Nachmittags geht sie dann hinaus, mistet die Ställe aus, lässt Kinder in die Seele von Pferden blicken – bei Ponytrekking und Reitstunden. Wenn Termine drücken, kehrt sie am frühen Abend an den Schreibtisch zurück. Spät abends oder gar nachts zu schreiben, gehört jedoch definitiv der Vergangenheit an: „Ich bin ab 22 Uhr platt. Ich schlafe furchtbar gern. Schlafentzug macht mich zum Zombie“, gesteht Förg.

So lebt sie ihren Traum, angelegt in ihrer naturnah verbrachten Kindheit: „Wir haben immer in großen Häusern mit wilden Gärten gelebt. Einmal habe ich meine Eltern sogar gefragt, warum wir überhaupt ein Haus haben, wenn wir doch ohnehin den ganzen Tag draußen sind“, erzählt die Schriftstellerin. Als Teenager war sie verrückt nach Pferden und radelte bei Wind und Wetter zum sechs Kilometer entfernten Stall. „Zwölf Jahren in München, in denen ich auch nach dem Studienabschluss als freie Journalistin ab und an auf sehr studentischem Niveau leben musste, waren belebend, aber für ein Landei dann genug“, grinst Förg. „Heute ist Platz für mich sehr wichtig“, sagt sie. „Ohne Nachbarn, ohne die Enge von Neubaugebieten zu leben, wo ich Katzen und Pferde artgerecht halten kann, wo es still ist und ich ohne Lichtverschmutzung die Sterne sehe, das ist der wahre Luxus für mich. Nicht die Yacht in Antibes oder das Chalet in Moritz“, sagt sie. Und übersieht glatt, wie neben ihr der schneeweiße Kater Fredfred seine Pfote elegant in den Milchschaum ihrer Cappuccinotasse taucht.  

 

 

Nicola Förg und Fredfred beim Cappuccino. Foto: Vivienne Klimke Nicola Förg und Fredfred beim Cappuccino. Foto: Vivienne Klimke

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